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Luftige Figuren und Farbexplosionen im Schloss

Zwölftes Kunstcamp der Pädagogischen Hochschule Weingarten

Achberg/Weingarten
– Zum zweiten Mal fand Anfang August das einwöchige Kunstcamp der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten und des Landkreises Ravensburg im Schloss Achberg statt. Unter der Leitung von Kunstprofessor Dr. Martin Oswald bietet es Workshops, die von bildenden Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunststudierenden der PH betreut werden. In diesem Jahr konnten 38 Jugendliche aus sechs Workshops wählen: Comics, Luftfiguren, Fotografie, Landart, Holzköpfe und Action Painting.

Schon auf dem Weg zum Schloss Achberg begegnet einem die Kunst auf Schritt und Tritt. Die Gruppe der Action Painter nutzt die ebene Fläche des Parkplatzes, um auf großformatigen Leintüchern mit Farbe zu experimentieren und schon von weitem ist die Arbeit der Holzbildhauer im Schlosshof zu hören. Im Grünen rund ums Schloss sind die Fotografen unterwegs, um mit offenem Blick für die Natur ihre Eindrücke festzuhalten – hier eine schöne Steinformation, da eine kleine Blume am Wegesrand. Wo sich sonst interessierte Schlossbesucher treffen befindet sich während des Kunstcamps ein buntes Zeltlager. „Abgeschieden von der Außenwelt bietet das Schloss mit seiner besonderen Atmosphäre den jugendlichen Teilnehmern viel Inspiration“, sagt Professor Dr. Martin Oswald, der das Kunstcamp vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen hat.

Am Anfang stehen Skizze und Modell

Während sich draußen das Thermometer der 30-Grad-Marke nähert arbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops „Luftfiguren“ hinter kühlen Schlossmauern. Angefangen haben die Jugendlichen zunächst mit kleinen Figuren, um sich mit dem Material vertraut zu machen und ihrem Objekt anzunähern. „Starker Gartendraht dient als Basis und ist das Grundgerüst, das später mit Zeitungspapier, Pappmaché oder Gips ausgekleidet wird“, erklärt Kunststudentin Anna Jäger, die den Workshop mit fünf Jugendlichen leitet. Manche von ihnen haben schon in der Schule mit Draht gearbeitet und wollen ihre Kenntnisse vertiefen, für andere war das biegsame Material ganz neu. Julia Hepp aus Sigmaringen hat in ihrem Skizzenbuch festgehalten, wie sie sich ihre Skulptur vorstellt. Von einer indischen Gottheit mit sechs Armen ausgehend entwickelte sie eine Figur, die einer Lotusblüte ähnelt. „Am liebsten wäre mir, wenn ich mich am Ende reinsetzen könnte, aber ich weiß nicht, wie stabil die Figur wird“, sagt die 16-Jährige.

Mit einem sicheren Gespür für die richtigen Proportionen fertigte Matteo Ruprecht aus Krauchenwies den Entwurf seiner Luftfigur: ein Fußballspieler im Rainbow-Flick samt Ball. „Cool, dass man sich hier selbst was erarbeiten kann und trotzdem Hilfe bekommt“, fasst er seinen positiven Eindruck vom Kunstcamp zusammen. Mit Zange, Tesakrepp und Metalldraht ist Anton Albert aus Weingarten schon einen Schritt weiter. In der Eingangshalle des Schlosses hat er sich einen Bereich gesucht, der ihm genügend Platz für seine Arbeit bietet. Im Sinn hat der 16-Jährige eine Art Marterpfahl, der schon eine Größe von 1,80 bis 2,10 Meter haben sollte. Die Streben des filigranen Drahtgestells will er mit Pappmaché ummanteln, das er am Ende bunt anmalen möchte. „Zuhause finde ich dann schon einen Platz dafür“, ist er sich sicher.

Pinsel sind nicht nur zum Malen da

Mit vollem Körpereinsatz und einer großen Portion Spaß arbeiten die Teilnehmerinnen des Workshops Action Painting. Nach dem Vorbild des Spiels Twister nutzen drei Mädchen ihre Hände und Füße für verschiedene Farbkombinationen und lassen den Würfel entscheiden, in welchen Farbtopf Hand- und Fußflächen für den Abdruck eingetaucht werden. Dass sie dabei auf dem vorher noch weißen Leintuch die lustigsten Verrenkungen machen müssen trägt enorm zum Spaß bei. „Wir wollen unsere Bewegungen in Farbe festhalten und am Ende ein möglichst buntes und farbenfrohes Bild“, erklärt das Trio.

Experimentieren steht beim Action Painting an erster Stelle. Wer sagt denn, dass ein Pinsel nur zum Malen benutzt werden kann? Lässt sich damit doch wunderbar Farbe aufs Papier spritzen. Tolle Effekte ergeben sich auch, wenn man bunte Wasserfarben durch einen Strohhalm pustet. Der reine Zufall übernimmt schließlich die Regie, wenn in Farbe getauchte Murmeln übers Papier kullern. „Mir gefällt, dass wir hier nicht nur mit Pinsel und Farbstiften malen, sondern auch mal was ganz anderes ausprobieren können“, sagt Leonie Schorpp. Während bei den anderen Workshops von der Fotografie über das Comiczeichnen bis zum Holzbildhauen ein planvolles Vorgehen nötig ist, steht beim Action Painting der Spaß eindeutig im Vordergrund. Dabei arbeiten die Jugendlichen sowohl in der Gruppe als auch an Einzelprojekten.

Bereits eine Stunde später haben die Luftfiguren im Schloss deutlich an Gestalt gewonnen. Aus dem Fußballspieler-Modell wurde der Umriss eines fast lebensgroßen Kickers aus Gartendraht, den Matteo Rupprecht mit Zeitungspapier und Tesakrepp umwickelt. Er kann sich gut vorstellen, ihn später an den Schultern in einen Baum zu hängen. „Er bekommt auf jeden Fall seinen Platz bei mir daheim.“ Für den Ball nimmt er gern die Anregung von Anne Jäger auf, ihn einer speziellen Feuertechnik zu unterziehen. Passgenau zwickt Anton Albert ein Stück Draht ab, um es in die wachsende Struktur seines Marterpfahls einzupassen und an den Kontaktpunkten mit Klebeband zu befestigen. Die Basis bildet ein großer Stein mit Loch, der die luftige Figur möglichst ohne Gleichgewichtsprobleme tragen soll.

Wer so viel arbeitet wird natürlich auch hungrig. Zum Mittagessen stehen heute Fleischküchle mit Bratkartoffeln und Salat auf dem Speiseplan, für den wie schon in den vergangenen Jahren die Allgäuer Landfrauen verantwortlich sind. Am Abend brennt das Lagerfeuer und spätestens wenn die kreativen Jugendlichen in ihren bunten Zelten müde in den Schlafsack schlüpfen, wissen sie, wie viel sie heute geschafft haben. 

Action Painting beim Kunstcamp der Pädagogischen Hochschule auf Schloss AchbergAction Painting beim Kunstcamp der Pädagogischen Hochschule auf Schloss Achberg: Experimentieren und das Spiel mit Farbe und Spaß stehen bei diesem Workshop im Vordergrund.


Geschäftige Atmosphäre im Schloss AchbergGeschäftige Atmosphäre im Schloss Achberg: Die Jugendlichen arbeiten im Workshop Luftfiguren an ihren Modellen.

Text und Fotos: Claudia Wörner


 
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